Die Sonde hat ihn auf einem Meter vierzig getroffen. Ich habe gegraben, bis die Schaufel eine Jacke fand, dann bis die Jacke einen Mann fand, dann bis der Mann gehustet hat. Jetzt liegt er auf der Pritsche in meiner Station und redet, seit er kann.
„Du hast mir das Board nicht mitgenommen.“ – „Dein Board liegt unter vier Metern Schnee.“ – „War teuer.“ – „Du warst auch teuer.“ Tobias grinst mit blauen Lippen. Ich habe in siebzehn Jahren Bergwacht noch keinen ausgegraben, der als Erstes nach seinem Brett gefragt hat.
Draußen hat der Sturm zugenommen, und der Funk gibt nur Rauschen. Der Hubschrauber kommt nicht heute. Vielleicht nicht morgen. Die Vorräte reichen für drei Tage, wenn er nicht so isst, wie er redet.
Ich lege Holz nach. Die Hütte ist ein Raum, ein Ofen, zwei Pritschen, und die eine ist meine. Er sieht mir zu, wie ich mich bewege, wie jemand, der nicht gewohnt ist, dass man sich um ihn kümmert, und es hasst, dass es ihm gefällt.
„Warum bist du da hoch?“, frage ich. „Die Hänge waren gesperrt.“ – „Weil sie gesperrt waren.“ Er sagt es, als wäre es logisch. „Ich fahre lieber allein.“ – „Du bist fast allein gestorben.“ – „Wäre auch logisch gewesen.“
Er lacht, aber es ist kein Lachen, und ich kenne den Ton. Ich habe ihn selbst benutzt, vor einigen Jahren, an einem anderen Ofen. Ich setze mich auf den Boden, den Rücken an der Pritsche, so dass ich ihn nicht ansehen muss.
„Drei Tage“, sage ich. „Du kannst reden oder schweigen, aber du kannst nicht weglaufen. Der Schnee liegt bis zum Fenster.“ Hinter mir wird es still. Dann sagt er, ganz leise, ganz anders: „Ich weiß.“




