Um elf gehört mir der Balkon. Das ist alles, was aus der Wohnung übrig geblieben ist, seit die Kartons weg sind, seine und meine, die er mitnahm, weil sie ihm gehörten. Ich stehe am Geländer mit einer Zigarette, die ich nicht anzünde. Ich habe vor drei Jahren aufgehört. Ich habe nicht aufgehört, sie zu halten.
Drüben geht Licht an. Zwei Meter Luftlinie, Balkon an Balkon, getrennt durch eine Regenrinne und die Höflichkeit einer Großstadt. Der neue Nachbar. Er kommt heraus, auch um elf, auch mit einer Zigarette, und er zündet sie auch nicht an.
Wir sehen uns nicht an. Das ist die Vereinbarung, die man trifft, ohne zu reden. Er sieht auf die Straße, ich sehe auf die Straße, und unten fährt die Straßenbahn, und irgendjemand lacht in einer anderen Wohnung.
„Feuer?“, fragt er in die Dunkelheit. Es ist die erste Frage seit einer Woche Elf-Uhr-Balkon. „Ich rauche nicht“, sage ich. „Ich auch nicht.“ Er hält trotzdem ein Feuerzeug hoch, ein gelbes Plastikding, als wäre es ein Argument. „Wollte nur wissen, ob Sie reden.“
„Milan“, sagt er. „Nele.“ Mehr passiert nicht. Er steckt das Feuerzeug weg. Wir stehen wieder still, aber es ist eine andere Stille als die letzten Nächte, eine, in der jemand zuhört.
„Schlimme Woche?“, fragt er nach einer Zeit. „Schlimmes Jahr.“ – „Verstehe.“ Er sagt nicht, wie er es versteht. Er sagt nicht, warum ein Mann um elf mit einer Zigarette auf den Balkon geht, die er nicht raucht. Er lässt die Frage liegen wie das Feuerzeug, für später.
Um Viertel nach elf geht er hinein. An der Tür bleibt er stehen. „Morgen wieder?“ Es klingt, als wäre es kein Angebot, sondern eine Uhrzeit. Ich antworte nicht. Ich lege die kalte Zigarette auf das Geländer, wo sie bis morgen liegen bleibt.



