Der Hofhund kennt mich nicht mehr. Er bellt, bis Katharina aus der Scheune kommt und einen Laut macht, den ich noch von meinem Großvater kenne, und der Hund liegt. Sie steht in der Tür, Heu im Haar, und sieht mich an, wie man jemanden ansieht, den man aus Fotos kennt.
„Florian.“ – „Katharina.“ Fünfzehn Jahre. Sie war dreizehn, als ich das letzte Mal hier war, und ich siebzehn, und wir haben uns im Heu versteckt, wenn die Erwachsenen sich gestritten haben. Jetzt sind wir die Erwachsenen, und der Streit ist ein Hof, der jemandem gehören muss.
„Du siehst aus wie ein Städter“, sagt sie. „Ich bin Tierarzt in München.“ – „Ich weiß, was du bist. Ich habe die Praxis gegoogelt.“ Sie lächelt, und es ist ein anderes Lächeln als das der Dreizehnjährigen, und ich merke, dass ich zu lange hinsehe.
Der Großvater will entscheiden, bevor der Winter kommt. Verkauf oder Übergabe. Katharina lebt seit sechs Jahren hier, führt die Kühe, macht die Abrechnung, und alle wissen, dass sie den Hof will. Alle wissen auch, dass der Alte einen Mann im Kopf hat, und dass der Mann ich bin.
„Ich will ihn nicht“, sage ich, am Küchentisch, während sie Brot schneidet. „Ich bin hier, um Nein zu sagen.“ – „Dann sag es ihm.“ – „Er schläft schon.“ – „Dann sag es morgen.“ Sie legt das Messer weg. „Oder bleib erst mal die Woche. Die Kälber kommen, und ich habe keinen Tierarzt.“
Draußen wird es dunkel über den Wiesen, und die Küche riecht nach Brot und Stall, und sie sitzt mir gegenüber mit Heu im Haar, das ich ihr nicht aus dem Haar nehme, obwohl meine Hand es will.
„Wir haben uns damals im Heu versteckt“, sagt sie, als hätte sie meinen Gedanken gehört. „Weißt du das noch?“ Ich weiß es noch. Ich weiß es so genau, dass ich nicht antworte.




