Die Legende ist sauber. Daniel Roth, achtunddreißig, Türsteher, zuletzt in Offenbach, davor Bundeswehr. Das LKA hat vier Wochen an ihr gearbeitet. Ich trage sie wie einen Anzug, der fast passt. Vor dem Club Ruths in Frankfurt steht eine Schlange bis zur Ecke.
Die Besitzerin empfängt mich im Büro über der Tanzfläche, wo der Bass nur noch ein Puls im Boden ist. Ruth. Kein Nachname auf der Tür, keiner in unseren Akten, der hält. Sie trägt ein schwarzes Kleid ohne Schmuck und sieht mich an, wie man einen Kontoauszug liest.
„Offenbach“, sagt sie. „Welcher Club?“ Ich nenne ihn. „Der hat vor zwei Jahren zugemacht.“ – „Deshalb bin ich hier.“ Sie lächelt. Es ist kein freundliches Lächeln. Es ist das Lächeln von jemandem, der die Pointe schon kennt.
„Sie stehen falsch“, sagt sie. „Ein Türsteher stellt sich nicht mit dem Rücken zur Tür. Ein Polizist tut es, weil er weiß, dass hinter ihm Kollegen sind.“ Ich stehe mit dem Rücken zur Tür. Ich drehe mich nicht um. Das wäre das Geständnis.
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden.“ – „Natürlich nicht.“ Sie öffnet eine Schublade, holt einen Vertrag heraus, schiebt ihn über den Tisch. „Sie fangen Freitag an. Zwölf Euro die Stunde, plus, was die Gäste Ihnen geben. Sie stehen an der Tür zum VIP-Bereich.“
Ich sehe auf den Vertrag. Sie stellt mich ein. Sie weiß, was ich bin, und stellt mich ein, und ich weiß nicht, ob das ein Fehler ist oder eine Falle oder etwas Drittes, das in keinem Ausbildungshandbuch steht.
„Und warum?“, frage ich. Ruth lehnt sich zurück. „Weil ich gern weiß, wer mich beobachtet“, sagt sie. „Und weil Sie der Erste sind, der nicht sofort gelogen hat, als ich ihn gefragt habe, ob er lügt.“ Sie hält mir den Stift hin. Ihre Hand ist vollkommen ruhig.


