Die Agenda liegt vor mir, siebzehn Punkte, Konferenzraum 4, neunter Stock. Ich habe sie dreimal gelesen, bevor ich den Namen unter „Gegenseite“ zulasse. Adrian Falk, CEO. Ich habe drei Jahre gebraucht, um seinen Namen wieder tippen zu können, ohne dass die Finger stehen bleiben.
Er kommt als Letzter. Natürlich. Dunkler Anzug, die Uhr, die ich ihm nicht geschenkt habe, dieselbe Art, den Raum zu betreten, als hätte er ihn gebaut. Er sieht mich an. Eine halbe Sekunde. Dann nickt er der Runde zu und setzt sich mir schräg gegenüber.
„Frau Wenger leitet die Verhandlung für die Käuferseite“, sagt mein Mandant. Adrian sagt: „Ich weiß.“ Zwei Wörter. Sechs Wochen sind für diese Fusion angesetzt. Ich habe in der ersten Minute schon verstanden, dass er die Zeit nutzen wird.
Punkt drei: Geheimhaltung. Die Klausel ist von seinen Anwälten formuliert, sie geht weit über das Übliche hinaus. Keine Aussagen über die Geschichte der beteiligten Personen. Ich lese den Satz zweimal. Er sieht mich dabei an, ausdruckslos, und ich weiß genau, welche Geschichte er meint.
„Das ist ungewöhnlich weit gefasst“, sage ich. „Es dient dem Schutz aller Beteiligten“, sagt Adrian. Seine Stimme ist ruhig. Am Altar war sie nicht da, es gab nur einen Anruf, zwei Stunden vor dem Termin, und dann nichts.
In der Pause stehe ich am Fenster. Er stellt sich neben mich, nicht zu nah. „Caroline“, sagt er, zum ersten Mal mit Vornamen. „Ich habe nicht gewusst, dass du es bist. Bis gestern.“ – „Und wenn du es gewusst hättest?“ – „Dann hätte ich die Klausel schärfer gefasst.“
Er geht zurück an den Tisch. Ich bleibe am Fenster, die Hände an der kalten Scheibe, und begreife, dass er nicht verhandelt, um zu gewinnen. Er verhandelt, um mich sechs Wochen lang jeden Tag in diesem Raum zu haben.



