Das Knie meldet sich beim Aufstehen, wie jeden Morgen. Ich zähle nicht mehr die Tage seit der Operation, ich zähle die Tage bis zur Kontoprüfung. Die Surfschule meines Onkels hat vierzehn Bretter, acht Neoprenanzüge ohne Löcher und eine Bank, die ihre Geduld verliert.
Sie steht am Steg, als ich aufschließe. Kurzes Haar, salzig, ein Rucksack, und ein Blick, der meine Bretter zählt, bevor ich Guten Morgen sagen kann. „Die Leash an dem dritten ist durch“, sagt sie. Portugiesischer Akzent. „Und der Anzug da hat ein Loch am Knie.“
„Guten Morgen“, sage ich. „Ich suche keine Kritik.“ – „Sie haben eine Anzeige geschaltet. Rettungsschwimmerin, Saison.“ Sie hält ihr Handy hoch. „Ich komme aus Lissabon. Ich habe mehr Wellen gesehen als Sie Kunden.“
Ich bin einunddreißig, ich war Profi, ich habe auf Hawaii auf dem Podium gestanden, und mein Onkel hat mir seine Schule vermacht, weil er glaubte, das Knie heile. Es heilt nicht. Sie sieht auf das Knie, kurz, und sagt nichts. Das rechne ich ihr an.
„Die Saison beginnt in zwölf Tagen“, sagt sie. „Sie haben keinen Kurs für Anfänger, keinen für Kinder, und die Website ist von 2014. Ich kann alles drei.“ – „Ich kann auch alles drei.“ – „Sie können es nicht ins Wasser tragen.“
Die Nordsee liegt grau und ruhig vor uns, und ich weiß, dass sie recht hat, und dass ich sie am liebsten wieder in ihren Zug setzen würde. Stattdessen stehe ich da, mit dem Schlüssel in der Hand, und der Wind zieht an ihrer Jacke.
„Zwei Wochen Probe“, sagt sie. „Wenn die Schule danach noch steht, reden wir über Gehalt.“ Sie streckt die Hand aus. „Und wenn nicht, sage ich Ihnen, was Sie falsch gemacht haben.“



